City vs. City 2013 – Battle

25. März 2013 / By

Bist du bereit für dein erstes Battle?

Es ist der 23. Februar 2013 und – es schneit. Seit Tagen hält uns der Winter fest im Griff. Wir sind unterwegs nach Chemnitz. Wir, das sind Sascha, 2 Tanzfreunde von ihm und ich (Marie). Unser Plan ist ziemlich raffiniert: Wir fahren mit dem Auto anstatt mit dem Zug, auf die Bahn ist ja sowieso kein Verlass mehr. Denkste! Es schneit ununterbrochen, die Straßen sind glatt, das Tempo auf ein Minimum reduziert und sowieso kann man nichts sehen, denn es ist ja alles weiß.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, sowie einigen Navigationsschwierigkeiten treffen wir dann doch endlich in Chemnitz ein. Schnell ist auch unser gewünschter Zielort erreicht: Der Kraftwerk e.V. Sicherlich fragt ihr euch, was wir verdammt nochmal bei so einem Wetter ausgerechnet in Chemnitz wollen? Mallorca wäre doch viel wärmer und von der Reisezeit her fast gleich. Wir wollen aber nicht nach Malle, denn dort gäbe es kein Dancebattle der Extraklasse. Und genau deshalb sind wir hier.

Viele Tänzer haben sich für den Event „City vs. City” angemeldet. Obwohl noch nicht alle Battleerfahrungen hatten, war die Teilnehmerzahl aus Leipzig beachtlich. Was wäre das Leben auch ohne Herausforderungen? Also wurden die Schuhe geputzt, die Gelenke geschmiert und die Power auf Maximalleistung gestellt.

Dancing like nobody is watching

Wir stellen das Auto auf dem eingeschneiten Parkplatz ab und gehen in Richtung Kraftwerk e.V. Halle. Mein letzter Gedanke bevor wir das Gebäude betreten, ist: „Hoffentlich kommen wir da nachher wieder raus…“ Wir melden uns am Eingang. Die 3 Jungs bilden ein Tanzteam namens „Yakitori“ (was auch immer das heißen mag). Ich bin nur Gast und übernehme die Rolle der rasenden Reporterin Karla Kolumna.

Während die Yakitori Crew den eigenen Backstagebereich unter die Lupe nimmt, gebe ich euch mal ein paar Infos über die Veranstaltung selbst. Schon seit ein paar Jahren organisiert das Soul Expression Team des Kraftwerk e.V. das Event „City vs. City“. Breakdancer, HipHopper, Newstyler und B-Girls haben hier die Chance ihr Können vor Publikum und einer ausgewählten Jury unter Beweis zu stellen. Dabei stehen sich immer 2 Teams einer Kategorie im Battle gegenüber. Das sah dieses Jahr so aus:

10 vs 10 Breakdance Crew City Battle
3 vs 3 Hip-Hop / Newstyle City Battle
1 vs 1 B-Girl Battle

In jedem Battle-Durchgang gibt es wie bei den meisten Wettkämpfen nur ein Team was in die nächste Runde ziehen kann. Die Tänzer haben je nach Kategorie 3-10 Minuten Zeit ihre Moves zu zeigen. Danach entscheidet die Jury, wer weiter ist und wer leider ausscheidet. Am Ende kann es ganz klar nur einen Sieger der einzelnen Teambattles geben. Bei den B-Girls gewinnt hingegen nur eine Tänzerin.

Das klingt jetzt vielleicht alles ein wenig stumpf und nach einem gewöhnlichen Wettkampf, wir können euch aber versichern, dass es definitiv nicht so ist. Wer noch nie bei einem Dancebattle dabei gewesen ist, egal ob selbst aktiv oder nur als Zuschauer: Es ist auf alle Fälle ein Erlebnis wert!

Schon als wir den Raum betreten in dem die Battles stattfinden sollen, ergreift uns eine Stimmung die man nur als Wahnsinn bezeichnen kann. Überall stehen Leute mit oder ohne Fotoapparat, viele unterhalten sich einfach nur, andere schauen zu wie sich Tänzer warm machen und sich vorbereiten. Auf einer erhöhten Bühne befinden sich 2 Mischpulte, dahinter stehen schon die DJs, in der Mitte testet der Moderator die Funktion seines Mikrofons. Vor der Bühne sieht man eine ca. 3×3 Meter große Tanzfläche auf der sich gerade ein Breakdancer in Windeseile um sich selbst dreht. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl zwischen all diesen Menschen zu stehen, die Musik im Ohr, der Bass im Herz und die ergreifende Atmosphäre im ganzen Körper.

Nachdem uns kurz darauf vom Moderator mitgeteilt wird, dass sich der Start der Battles aufgrund des schlechten Wetters verschiebt, suchen wir uns eine Ecke in der alle nochmal üben können. Dort treffen wir dann auch auf Denis, der auch mit seiner eigenen Crew am Event teilnimmt. Ich setze mich ein wenig abseits auf die Stufen der Zuschauertribüne und beginne einige Aufnahmen von Denis, Sascha und den Rest der Crews zu machen. Sie tanzen als wären sie in ihrer eigenen Welt. Jeder bewegt sich in seinem individuellen Stil. Ob Popping, Floating oder Tutting, die Vielfältigkeit der Bewegungen sind jedes Mal aufs Neue faszinierend.

Ab und zu kommen ebenfalls Tänzer sowie Freunde vorbei, die sich mit Denis und den anderen unterhalten. Nebenbei werden Tanzelemente ausgeführt und es fällt der ein oder andere nervöse Blick zur Bühne. Aber noch dauert es bis die Battles starten können, es fehlen immer noch Crews. Also was machen wir jetzt? Richtig: Erstmal was Anständiges essen! Somit gehts ab in die Kantine und raus mit einem Teller Nudeln in der einen Hand und einer Cola in der Anderen. Bon Appetit.

„Die Crews bitte an den Start!“

Gegen 17 Uhr gibt es dann endlich den Startschuss für das erste Battle. Zuerst starten die Tänzer der Kategorie Breakdance. Ich positioniere mich am Rand und beobachte das Ganze. Erstaunlich was die alles mit ihrem Körper anstellen können. Da bekommt der Name Breakdance zweifelsohne seine wahrhaftige Bedeutung.

Von allen Seiten kommen jetzt noch mehr Zuschauer und beginnen ihre Favouriten anzufeuern. Die Stimmung wird immer erregender, die Bewegungen der Tänzer explosiver und die Zeit zieht an uns in rasantem Tempo vorbei. Schon sind die ersten Battles vorbei und unsere Crews werden für die Nächsten angekündigt. Die Yakitori Crew beginnt. Ihre Gegner stehen schon auf ihrem Platz und machen sich nochmal locker.

Wow, es ist wirklich endlich so weit. Irgendwie scheint die Zeit still zu stehen. Alle bewegen sich wie in Zeitlupe. Die Musik ist gedämpft. Man hört nur das Blut in den Ohren rauschen. Ich sehe in erwartungsvolle, nervöse und kampflustige Gesichter. Sascha steht mit seiner Crew den Gegnern gegenüber und ein Lächeln tritt auf ihre Gesichter. Plötzlich wird die Musik lauter, die Stimme des Moderators verkündet den Beginn des Battles und die Zuschauer klatschen begeistert.

Schnell drücke ich den Auslöser der Kamera und beginne ein beeindruckendes Battle aufzunehmen. Wir wissen alle, dass es gute und schlechte Tänzer gibt, aber darum geht es nicht. Hier zählt der Moment, die Leidenschaft und Liebe zum Tanz. Auch Denis liefert sich später mit seinem Team ein tolles Battle, obwohl danach alle natürlich dies und das an sich auszusetzen haben (meiner Meinung nach vollkommen überflüssig ;)). Später warten wir alle gespannt, wer weiter ist und wer nicht. Yakitori sind leider schon in der ersten Runde raus, aber anstatt betrübt in der Ecke zu sitzen, wird einfach weiter getanzt. Das nenn ich mal Motivation! Denis hingegen hat es in die 2. Runde geschafft und wir alle freuen uns auf ein weiteres Battle.

Am Ende machen Denis und seine Crew den 3. Platz! Wir sind begeistert und würden am liebsten die ganze Nacht noch feiern. Leider macht uns dann doch die Müdigkeit einen Strich durch die Rechnung. Also sammeln wir unsere sieben Sachen zusammen und stapfen durch den Schnee zum Auto. Nach ein wenig Eis kratzen und tatkräftiger Hilfe beim Schieben, kommen wir letztendlich aus dem Tiefschnee heraus. Jetzt kann es endlich Richtung Heimat gehen. Zwar war der Tag wirklich anstrengend, aber auf alle Fälle ein unvergessliches Erlebnis.
Um es mit einem Satz auszudrücken:

Hat dich einmal das Battlefieber gepackt, willst du nicht mehr damit aufhören!

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