Mach deine Leidenschaft zum Beruf – Teil 1: Tanzlehrer/in (2)

07. Juni 2013 / By

Im 2. Part zum Thema „Tanzlehrer/in werden“ zeigen wir dir wie spannend, aufregend und tanzreich dieser Beruf sein kann. Dabei haben wir unseren Tanzlehrer Denis mal näher unter die Lupe genommen und ihn mit Fragen zu seinem Beruf gelöchert.

Erst wenn du tanzst – lebst du

Toll am Tanzlehrer/in sein, ist es, einfach unheimlich vielen Menschen zu begegnen! Es vergeht kaum ein Tag, an dem du nicht neue, interessante Persönlichkeiten und ihre Geschichten kennenlernst. Tanzen ist darüber hinaus eines der abwechslungsreichsten und mannigfaltigsten Lebensbereiche die ich persönlich kenne! Du kannst ständig neue Inputs aufnehmen und für dich verwenden, ob das neuartige Tanzstile oder Modetrends sind – Tanz ist einfach eine unendliche Quelle an Informationen!

Steckbrief Tanz-Coach Denis

Name: Denis Daniel Burkhard Hanisch

Geburtstag: 31.8.87

Vorlieben: Mag alles, was anders ist!

Favourite Dancestyle: Krump

Tanzt seit: 2007

andere Tanzstilistiken: NuStyle, Reggae, Jerkin, African Styles, Popping, Locking, Floating (Airwalk, Moonwalk, Gliding), Tutting, Turfing, House/Lofting, Salsa-Brasilian-Streetstyle

Wen er gerne mal treffen würde: Tight Eyez (Erfinder des Krump)

Er mag nicht: wenn Metallbesteck an die Zähne kommt

Sein Motto: Wer hat, der gibt!

Exklusives Interview mit Tanz-Coach Denis

Marie: Wie bist du zum Tanzen gekommen?

Denis: Das ist ne lange Geschichte. Es fing schon ganz früh an. Als Sohn musste ich ab meinem 5. Lebensjahr viele Sportarten machen. Karate gefiel mir dann zu der Zeit von allen anderen am besten. Es war halt ein Jungssport. Mir wurde das aber schnell langweilig, weil es ab einem gewissen Grad eine Art Leistungsstopp gab. Ab meinem 9. Lebensjahr sagte mein Arzt dann, dass ich mit Karate aufhören sollte. Da stand ich kurz vor meinem schwarzen Gürtel!

Marie: Wow! Und was hast du dann für Sportarten ausgeübt?

Denis: Tja, dann kam so ne Zeit ohne irgendwelche Vereine. Ich lebte ja von meiner Geburt an in Berlin und bin dann auch oft in den baufälligen Gebäuden herumgestreunt. In diesen Jahren hatte ich ziemlich viel Probleme im familiären Bereich… (aus persönlichen Gründen und Schutzmaßnahmen werden im Interview nicht alle Details zu den genauen Hintergründen der beteiligten Person veröffentlicht). Ich habe zwei jüngere Brüder, um die ich mich dann allein kümmern musste. Somit besaß ich mit 11 Jahren schon die komplette Selbstständigkeit eines Erwachsenen.

„Ich war so nervös, dass ich mich übergeben musste.“

Marie: Hat sich das negativ für deine Zukunft ausgewirkt?

Denis: Ich würde sagen 50 – 50! Auf der einen Seite war ich regelrecht begeistert von der Verantwortung, die ich für Jemanden hatte! Die andere Seite war jedoch, dass es auch noch die finanziellen Verantwortung gab. Und die sah dann so aus, dass ich mit 13 Jahren im Gerüstbau tätig war, um alle versorgen zu können.
Ja, das ging dann bis zu meinem 15. Lebensjahr. Da lernte ich meinen 1. besten Freund kennen, mit dem ich meine Jugend auslebte. Wir sind bis heute Blutsbrüder. Von ihm hab ich auch das Gefühl, nie allein zu sein.

Marie: Und wann kamst du dann zum Tanzen?

Denis: Mit 16 hatte ich erst mal den Drang, irgendetwas mit Sport zu machen. Da kam ich natürlich nicht gleich aufs Tanzen, sondern ging zum Armwrestling. (lacht)

Marie: Zum Armwrestling? Das ist ja wirklich eine ganz andere Richtung!

Denis: Ja, aber dieser Sport hat mir gezeigt, dass man mit kleinen kraftvollen Bewegungen viel erreichen kann. Es ist halt eine Sache von Muskelkraft und Körpergewicht. Ich wurde dann innerhalb eines Jahres 1. Deutscher Meister in Berlin und das Jahr darauf 3facher Deutscher Meister linker Arm und 2facher Deutscher Meister rechter Arm. Aber auch das wurde mir wieder zu langweilig. Bin dann zu Judo und Kung Fu – Schulen gegangen, in der Hoffnung dort mehr Bewegungsfreiheit zu finden. Aber auch das klappte nicht.

Marie: Scheinbar bist du ein sehr anspruchsvoller Mensch…

Denis: Schon, ich suche immer nach neuen Herausforderungen und wenn, dann sollen es auch 100% sein (schmunzelt).

Marie: Na gut, dazu später mehr. Was ist danach passiert?

Denis: Zusätzlich habe ich mit 16 ein Jahr Praktikum in einem Fitnessstudio machen können. Dort war ich aber erstmal Mädchen für alles. Als ich 17 war, machte ich meinen Trainerschein. „Langhantel-Kraft-Ausdauer-Trainer“ nannte sich das. In der Zeit durfte ich dann auch mal das Studio teilweise leiten, natürlich immer mit dem Chef im Nacken. Er versprach mir sogar eine spätere Ausbildung. Die hab ich allerdings nie bekommen. Ich wurde sozusagen nur hingehalten.

Marie: Wie das leider oft der Fall ist. Und wie sah das nach deinem Trainerschein mit Kursen aus?

Denis: Ah genau! Also schon bevor ich den Trainerschein gemacht habe, durfte ich meine ersten Kurse halten!

Marie: Kannst du dich noch an deine erste Stunde erinnern?

Denis: Haargenau sogar! Ich musste meinen aller ersten Kurs vor ca. 70 Personen halten. Ich war so nervös, dass ich mich übergeben musste. Zum Glück hab ich aber mein Mikro ausgemacht (grinst). Das krasse an der Sache war aber, dass ich noch auf dem Weg zum Klo mein Mikro an gelassen hab und weiter gecoacht hab!

„Durch Flying Steps hab ich mir selbst Breakdance beigebracht.“

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Marie: Das nenn ich mal voller Einsatz!

Denis: Sehe ich genauso. Trotz dieser Erfahrung begeisterte mich die Kursgebung von Anfang an! Na ja, aber auch hier kam es mir vor, als ob meine Bewegungsfreiheit durch die geplanten Fitnessprogramme behindert wurden. Die Medien haben mich dann so beeinflusst, dass ich genau so cool sein wollte, wie die Typen im Fernsehen. Vollkommen unrealistisch, aber so war’s nun mal.

Marie: Aber danach bist du dann endlich zum Tanzen gekommen?

Denis: Ja, dann endlich! Durch Flying Steps hab ich mir selbst Breakdance beigebracht. Hm, aber damals wie heute kann ich kein Breakdance (lacht laut). Breakdance ist jedoch ein Teil vom Hip Hop, zu dem ich dann später kam. Das Tolle daran ist die Bewegungsfreiheit, die ich immer gesucht habe und die Trainingseinheiten. Das war der typische Großstadt-Flair. Ich ging, aber nicht in Tanzschulen. Ich lernte verschiedene Moves von anderen Menschen in meiner Umgebung. Alle konnte ich jedoch trotzdem nicht ausführen. Ich hatte dann das Gefühl, dass tanzen vielleicht doch nicht so mein Ding ist. Ich wurde nur ausgelacht und weggeschoben, wenn ich dann Leute zum Battle herausforderte. Aber genau durch diese Erfahrung verspürte ich den Ehrgeiz besser zu werden!

Marie: Und hast du es geschafft?

Denis: Na ja, erstmal nicht…Ich bin erstmal zur Bundeswehr, wo ich viel verlernte und auch so erleben musste, wie die soziale Kompetenz auf der Strecke blieb. Grob gesagt, mich holte die Vergangenheit wieder ein. Aber nach diesen 2 harten Jahren zog ich dann nach Leipzig. Ganz nach dem alten Flair rief mich die Wildnis: Ich will tanzen! Im TSC wurde ich auch fündig, allerdings in der falschen Tanzrichtung.
Trotzdem wollte ich dort Kurse geben. Somit durfte ich den ersten Hip Hop Kurs leiten und fand selbst schnell heraus, dass ich mit Tanz vielen Menschen helfen kann.

Marie: Wie sieht diese Hilfe aus? Kannst du ein paar Beispiele geben?

Denis: Es ist einfach die Crewentwicklung, die das Familiäre stärkt. Aus „tanzerziehungspädagogischer“ Sicht hilft Tanz Kindern, diszipliniert zu sein, sich nicht allein zu fühlen und Unterstützung zu bekommen. Außerdem versprühen die Trainingsstunden Optimismus und das Gefühl der Sicherheit, besonders für die Schritte die man im Leben geht. Das ist meine Art des Generationsvertrags.

Marie: Das klingt so als ob dieser Vertrag deine Lebensaufgabe wäre?

Denis: Ich trainierte und übte viel mit der Gruppe und sie entwickelte sich richtig gut. Darauf war ich auch mächtig stolz! Besonders schön war es, als die Eltern der Kids auf mich zu kamen und sich bei mir für die Disziplin und pädagogische Wirkung bedankt haben. Danach folgten mehr neue Vereine, neue Kinder, neues Glück.

„Kein Mensch schlüpft perfekt aus dem Ei.“

Marie: Kannst du behaupten, die vielen Erfahrungen haben Spuren hinterlassen?

Denis: Auf jeden Fall! Kein Mensch schlüpft perfekt aus dem Ei. Ich habe in Leipzig die größtmögliche Unterstützung erhalten, die man sich nur vorstellen kann. Ich denke, ich kann behaupten, dass ich ein Vorbild geworden bin, was mich aus den jugendlichen Schwächen formte. Aus Leichtsinn wurde Nachdenklichkeit, jugendlicher Eifer wurde zu Geduld und Aggression wurde zu Gelassenheit. Ich habe wahnsinnig viele Fehler gemacht, aber kann man sagen es sind alles Fehler, wenn man versucht sich aus einer Situation zu retten?

Marie: Diese Frage würde ich gern einfach so stehen lassen. Du hast uns jetzt jede Menge erzählt. Ich würde gern noch wissen, was für konkrete Erfahrungen – positiv und negativ – du bis heute mit Tanz gemacht hast?

Denis: Positiv war für mich der Spaß daran sich frei äußern zu können, besonders diese Bewegungsfreiheit, die Tanz bietet. Dann noch die Wirkung, die Tanz auf die Menschen hat und die man mit ansehen kann, wie sie sich entwickelt. Genau so die Charakterformung durch Tanzen und Auftritte, sowie der Weg dorthin. Menschen sind begeistert und jeder Auftritt, jeder Job bietet immer neue Herausforderungen, die dann mithilfe von Tanz die Sozialkompetenzen der Menschen fördert. Körperlich gesehen entwickelt man natürlich eine enorme Grundausdauer und steigert seine eigene Körperleistung. Es gibt noch viel mehr Positives, die den negativen Erfahrungen eindeutig überwiegen, aber trotz allem gibt es immer eine Schattenseite. Man verdient sich in diesem Job zum Beispiel keine goldene Nase, man ist viel im Leben eingespannt, also viele Kurse, wodurch man weniger Freizeit hat und besonders in der Führung von Beziehungen einige Probleme hat. Aber auch hier gewinnt mein Optimismus! Mein Tipp: Think positiv!

Marie: Und wo wir gerade bei Tipps sind…Kannst du angehenden Tanzlehrern bzw. Tanzlehrerinnen ein paar Tipps mit auf den Weg geben?

Denis: Beachten solltest du immer das histologische Wissen über lehrende Stilistiken. Es ist gerade für neue Schüler wichtig, authentisches Wissen vom Lehrer zu bekommen, dass nicht verwaschen ist! Also Leute, immer schön bei der historischen Wahrheit bleiben!

Marie: Tja, und da sind wir schon am Ende des Interviews. Danke für die vielen offenen Antworten und deine Zeit, um Danceecho deine eigene Story zu erzählen. Eine allerletzte Frage habe ich trotzdem: Du bist gelernter Koch – wie wär’s mit ner Runde Fastfood?

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